Optionsscheine

Was bedeutet es „mit einem Hebel zu handeln“? Dies lässt sich wohl am besten mit Hilfe von Optionsscheinen erklären. Es handelt sich dabei um börsengehandelte Papiere. Durch den Hebel bedingt, müssen Sie für Aktien nur einen Bruchteil des Originalpreises ausgeben. Jedoch verbirgt sich hier auch das Risiko des Totalverlustes.

Allerdings ist der Handel mit Optionsscheinen nicht nur in schwarz und weiß zu betrachten. Weshalb wir Ihnen erklären, worin die Vorteile und Risiken liegen. Lernen Sie außerdem, wo und wie Optionsscheine gekauft werden.

Wissenswertes zu Optionsscheinen:

  • Sie stellen börsengehandelte Papiere dar
  • Es wird mit einem Hebel gearbeitet, welcher in beide Richtungen (Gewinn/Verlust) funktioniert
  • Hebelprodukte erlauben günstigeres Einkaufen an den Börsen
  • Sie besitzen großes Rendite-Potential, sind aber keinesfalls risikolos
  • Der Kauf von Optionsscheinen ist zumeist billiger als der Aktienkauf selbst

Optionsscheine – Eine Definition

Unter den verfügbaren Hebelprodukten, werden Optionsscheine am häufigsten verwendet. Wenn Sie ein solches Papier kaufen, fehlt es diesem am Eigentumsrecht. Was der größte Unterschied zur Aktie und deren Basiswert ist.

Gekaufte Optionsscheine geben Ihnen lediglich das Recht, für einen festgelegten Preis einen Basiswert zu erhalten. Daran ist ein vorab bestimmter Zeitpunkt gebunden. Spätestens dann wird die Aktie gekauft oder verkauft.

Den Wert eines Optionsscheins bestimmten Banken wie JP Morgan. Sie geben diese regelmäßig heraus und Sie können dort einsteigen.

Wichtig für Ihre Anlagestrategie ist, dass Optionsscheine für den kurz- bis mittelfristigen Zeitraum gedacht sind. Wenn Sie stattdessen langfristig investieren wollen, raten wir Ihnen zu Aktien sowie ETFs.

Amerikanische Optionen vs. Europäische Optionen

Hierbei gilt es zu unterscheiden, wann ein Optionsschein gekauft oder verkauft werden darf. Bei der amerikanischen Option ist dies immer während der gesamten Laufzeit möglich. Somit können Sie vorzeitig reagieren, falls sich schon früher der gewünschte Gewinn zum Basiswert bzw. Ausübungspreis ergeben sollte.

Bei der europäischen Variante ist der Kauf oder Verkauf eines Optionsscheins nur am vordefinierten Laufzeitende möglich. Also innerhalb des vereinbarten Tages. Was Ihnen die Flexibilität nimmt und den Glücksfaktor erhöht.

In der Regel werden deshalb amerikanische Optionen bevorzugt gehandelt. Mit Ausnahme einer sehr sicheren Vorhersage, bei der die europäische Option weniger Gebühren berechnet.

Der Handel mit Optionsscheinen

So viel zur Theorie – kommen wir nun zur Praxis!

Für Optionsscheine besteht ein festes Regelwerk, da sie den Finanzaufsichten der Börsen bzw. Banken unterstehen. Hierfür sind folgende Werte entscheidend:

  • Der Basiswert einer Aktie dient als Grundlage der Berechnung.
  • Aus ihm ergibt sich der Ausgabepreis (auch Ausübungspreis). Diesen Betrag zahlen Sie, um das Recht für den späteren Kauf oder Verkauf zu erwerben.
  • Es wird ein Zeitpunkt bzw. eine Laufzeit festgelegt. Spätestens dann ist die entsprechende Aktion auszuführen.
  • Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Call-Optionsscheinen und Put-Optionsscheinen.

So funktionieren Call-Optionsscheine

Wenn der Kurs im Verhältnis zum Basiswert steigt, wollen Sie vorher mit einem Call-Optionsschein darauf setzen. Dies funktioniert nicht nur mit Aktien, sondern ebenso mit Rohstoffen, Währungen und ganzen Indizes. Kommt es zum Laufzeitende tatsächlich zu einer positiven Kursentwicklung, erzielen Sie mit dem Call-Optionsschein einen Gewinn. Dieser bemisst sich anhand der Differenz zwischen Basiswert und Kurssteigerung. Der Hebel wirkt dabei als Multiplikator. Nach oben hin sind Ihnen dadurch keine Grenzen gesetzt.

Hinweis: Statt dem Begriff Laufzeit wird auch die Bezeichnung „Bezugsfrist“ verwendet.

Sie treten hier als Käufer des Optionsscheins an und der Verkäufer gewährt Ihnen das Recht, bspw. eine Aktie zur Bezugsfrist für Betrag XY zu erwerben. Unabhängig davon, zu welchem Preis das Wertpapier am Stichtag tatsächlich gehandelt wird.

Es wird vom Verkäufer eine Optionsprämie aufgeschlagen. Bspw. kostet die Aktie 500 Euro und hinzu kommt eine Prämie von 50 Euro. Alles was am Laufzeitende den Gesamtwert von 550 Euro übersteigt, stellt Ihren Gewinn dar.

Aber Vorsicht: Dies funktioniert genauso in die negative Richtung. Optionsscheine sind deshalb nur für fortgeschrittene Anleger geeignet.

So funktionieren Put-Optionsscheine

Mit einem Put-Optionsschein setzen Sie hingegen auf fallende Kurse. Je negativer sich dieser vom Basiswert aus entwickelt, desto besser für Sie. Dies ist ein großer Unterschied zu Aktien. Bei denen profitieren Sie lediglich, wenn diese sich im Wert steigern.

Auch hier gilt wieder ein Laufzeitende, an dem der Put-Optionsschein ausläuft. Ihre Rendite ist nicht unbegrenzt, sondern endet beim Nullstand des Basiswerts.

Anders ausgedrückt: Sie erwerben das Recht, den Put-Optionsschein zum Stichtag verkaufen zu dürfen. Inklusive der Optionsprämie, welche Sie für einen realen Gewinn mit erwirtschaften müssen. Denn nur so verdienen die Banken bzw. Broker.

Das Risiko von Hebelprodukten

Sie müssen sich bewusst sein, dass der Handel mit Optionsscheinen positiv wie negativ funktioniert. Was durch den Hebeleffekt verstärkt wird. Wenn Sie bspw. mit einem zehnfachen Hebel investieren und sich der Basiswert um 100 Euro verändert, erhalten Sie 1.000 Euro dafür. Jedoch könnten Sie ebenso 1.000 Euro verlieren, falls Ihre Vorhersage nicht eintrifft.

Das große Potential von Hebelprodukten, mit wenig Geld viel Rendite zu erwirtschaften, kann ebenso ins Gegenteil umschlagen.

Optionsscheine kaufen und verkaufen

Üblicher Weise sind Banken für die Ausgabe von Optionsscheinen zuständig. Sie bieten eine Vielzahl von Hebelprodukten an. Das Geldinstitut weist jeder dieser Inhaberschuldverschreibungen eine Wertpapierkennnummer (WKN) zu. Im weltweiten Handel wird sie als ISIN (International Securities Identification Number) gekennzeichnet. Dadurch ist eine unverwechselbare Identifikation möglich.

Interessant: Ferner können auch Unternehmen Optionsscheine emittieren. Diese Finanzierungsmöglichkeit gehört aber weitestgehend der Vergangenheit an. Sie gilt als besonders risikoreich und ist daher nicht für Privatanleger zu empfehlen.

Der Handel von Optionsscheinen geschieht an den Aktienmärkten oder im Direkthandel. Daneben gibt es noch die „European Warrant Exchange“ (EUWAX), welche an der Stuttgarter Börse sitzt. Hier werden zahlreiche Optionsscheine gehandelt.

Alternativ können diese Rechte auch direkt beim Emittenten erworben werden. Dies gilt es im Einzelfall zu prüfen.

Optionen vs. Optionsscheine

Wenn Sie sich nun schon ein wenig eingelesen haben, kam Ihnen diese Frage bestimmt in den Sinn. Denn auf den ersten Blick ähneln sich Optionen und Optionsscheine sehr. Sie verwenden dieselben Begrifflichkeiten wie Call und Put.

Optionsscheine besitzen jedoch eine andere Rechtsstruktur. Sie werden nicht als Instrumente von Terminkontrakten verstanden. Die Übereinstimmung von Angebot und Nachfrage muss nicht zwingend vorhanden sein.

Optionsscheine kommen durch den Emittenten in verbriefter Form heraus. Sie zählen zu den Schuldverschreibungen und besitzen keine Besicherung (Margin). Sollte der Emittent nicht mehr liquide sein, kann dies bei Optionsscheinen zum Totalverlust führen.

Mit ausreichend Know How, können Sie hier durchaus große Gewinne erzielen. Doch verwenden Sie dafür nur Geld, welches Sie komplett verschmerzen könnten. Optionsscheine mögen zwar von Banken und Börsen überwacht werden, aber sie werden als spekulative Anlageformen betrachtet.