Anleihen als Anlageform

Sie wollen Geld nicht nur via Tagesgeld und Festgeld vermehren? Einer der nächsten möglichen Anlageschritte könnte ein Investment in Anleihen sein. Wie diese funktionieren und worauf Sie achten sollten, erklären wir Ihnen jetzt.

Was sind Anleihen?

Der Herausgeber einer Anleihe wird als Emittent bezeichnet. Diese Option steht Staaten sowie Unternehmen offen. Sie schreiben eine Art Schuldschein aus und Sie sind der Geldgeber dafür. Mit der Anleihe ist ein festes Datum verbunden, wann der geliehene Betrag vom Emittenten zurückgezahlt wird. Mit festgeschriebenen Zinsen, versteht sich.

Ein Unternehmen oder Staat muss deshalb nicht zwangsläufig verschuldet sein. Anleihen stellen ein übliches Mittel dar, um sich für einen bestimmten Zweck kurzfristig Geld zu beschaffen. Der Emittent muss diesen Betrag nicht in monatlichen Raten zurückzahlen. Stattdessen legt er einen Stichtag, meist mehrere Jahre in der Zukunft, fest, um dann seinen Schuldschein zu begleichen.

Wissenswertes zu Anleihen

  • Bei Anleihen legen viele Personen bzw. Anlagegesellschaften zusammen, um einen großen Kredit zu ermöglichen.
  • Die Verzinsung kann dabei frei bestimmt werden, ist aber meistens sehr eng kalkuliert. Gerade die Bonität des Emittenten spielt hierbei eine wesentliche Rolle.
  • Hinsichtlich der Laufzeiten ist alles zwischen ein paar Monaten bis zu 30 Jahren möglich.

Die 3 Arten von Anleihen

In der Praxis unterscheidet man verschiedene Anleiheformen. Mit ihnen geht mal mehr oder weniger Sicherheit einher, wenn es um die Bonität geht.

Staatsanleihen: Sie werden am häufigsten vergeben und gelten als besonders sicher. Immerhin müssen der gesamte Staat sowie seine Steuerzahler für sie einstehen.

Übrigens: Beim Kauf von Staatsanleihen sind Sie nicht nur auf das Heimatland beschränkt. Im Ausland sollten Sie aber erst recht die Bonität des Staates prüfen, bevor investiert wird. Dies hat die Finanzkrise 2008 deutlich gemacht.

Unternehmensanleihen: Auch Unternehmen können sich frisches Kapital in Form von Anleihen besorgen. Hier beeinflusst deren Bonität ebenfalls den Zinssatz. Unternehmensanleihen stammen meistens von mittelständischen Unternehmen. Emissionen dieser Art müssen die Vorschriften des Wertpapierhandelsgesetzes (WpHG) einhalten. Dennoch gelten sie als risikoreicher, weil die Absicherung bei Weitem geringer ist als bei Staatsanleihen.

Aktienanleihen: Große Konzerne werden meist als Aktiengesellschaft geführt. Während die anderen beiden Formen den Nominalwert samt Zinsen ausbezahlen, kann hier eine Vergütung mit Unternehmensanteilen erfolgen. So geht der Aktienfirma kein Geld verloren, denn der Kredit verwandelt sich in Eigenkapital. Käufer von Aktienanleihen werden somit zum Miteigentümer. Die Aktien können jedoch, wenn nicht anders vereinbart, zu jeder Zeit wieder verkauft werden.

Zinsberechnung bei Anleihen

In der Regel wird während der festgelegten Laufzeit pro Jahr einmal der Zinssatz vom Emittenten bezahlt. Ganz zum Schluss holt er sich die Anleihe zurück und zahlt dafür seine Geldgeber aus. Der Ursprungsbetrag, plus Zinsen, fließt an sie zurück.

Das Vertragswerk kann aber auch anders gestrickt sein. Bspw. zahlt die Anleihe zweimal pro Jahr aus.

Möglich ist auch ein Szenario der ansteigenden Zinsen. Somit werden lange Laufzeiten schmackhaft gemacht. Wer länger durchhält, bekommt mehr. Gefährlich sind Anleihen, welche sich an der Inflationsentwicklung orientieren. Darauf können die Notenbanken mit ihrer Geldpolitik Einfluss nehmen.

Anleihen kaufen: So geht´s

  1. Sie benötigen ein Depot, um Anleihen kaufen und dort ablegen zu können.
  2. Um die bestmögliche Rendite zu erzielen, sollten Sie vorab einen umfangreichen Depotvergleich durchführen. Denn die Verwaltungskosten und Ordergebühren unterschieden sich sehr. Wobei Sie nicht zwingend jenes mit den geringsten Ausgaben nehmen sollten. Es hängt viel davon ab, was Ihnen guter Service wert ist und ob Sie neben Anleihen noch in andere Anlageformen investieren wollen.
  3. Gekauft wird über eine sogenannte Wertpapierorder. Sie beauftragen Ihre Bank mit dem Einkauf der Anleihe. Geben Sie hierbei an, wie hoch der Anleihekurs maximal stehen darf, um in Ihren Augen lukrativ zu sein.
  4. Ihrem Depot ordnen Sie ein Referenzkonto zu. Dieses muss die entsprechende Summe vorweisen, welche Sie für die zu kaufende Anleihe ausgeben wollen. Bedenken Sie hierbei, dass ebenso genügend Spielraum für Börsengebühren, den Wertpapiermakler sowie die Banken-Courtage verfügbar sein muss.
  5. Einmal gekauft, erfolgt der Ablauf automatisch. Sie erhalten die Zinsen im vereinbarten Intervall gutgeschrieben. Zum Laufzeitende zahlt Ihnen die Börse den Nominalwert zurück oder, bei Aktienanleihen, den entsprechenden Betrag in Wertpapieren.

Wie renditestark sind Anleihen?

Dies hängt sehr von Ihrer Risikobereitschaft ab. Staatsanleihen, deren Sicherheit hoch liegt, werfen geringere Zinsen ab. Unternehmensanleihen sind meist lukrativer, dafür besteht aber eine gewisse Gefahr des Totalausfalls. So pauschal lässt sich dies aber nicht aussagen, weil der Teufel im Detail steckt. Wenn Sie Firmen Geld leihen, sollten dessen Produkte bzw. Dienstleistungen für eine nachhaltige Zukunft gemacht sein.

Für risikobereite Anleihen gibt es Produkte wie Hochzinsanleihen und Junkbonds. Hier ist die Bonität des Emittenten sehr fragwürdig. Sie sollten hier nur mit Geld spekulieren, welches Ihre Anlagestrategie bei komplettem Verlust verkraften könnte. Die umgangssprachlich als „Ramschanleihen“ bezeichneten Geldanlagen sind nichts für schwache Nerven.

Anleihenrendite berechnen

Alles steht und fällt mit dem Verhältnis zwischen Nominalwert (Kaufbetrag) und der Kursentwicklung der Anleihe. Denn wie bereits erwähnt, werden Anleihen über ein Depot bzw. die zuständige Börse gehandelt. Im Idealfall bleibt der Nominalwert stabil und Sie können mit dem festen Zinssatz rechnen. Ebenso kann sich der Anleihekurs zum Positiven entwickeln, sodass Ihre spätere Rückzahlung über dem Nominalwert liegt. Dabei kommt es auf jedes Prozent an!

Anleihen in Fremdwährung: Wenn Sie bspw. US-amerikanische Anleihen kaufen, geht es zudem um die Wechselkursentwicklung. Am Ende wird der Wert wieder in Euro getauscht. Was ebenfalls Einfluss auf die reale Rendite Ihrer Geldanlage nimmt.

Fazit zum Anleihekauf

Sie stellen eine Option für höhere Renditen dar. Wenn Sie neben Ihren klassischen Anlageformen noch etwas Geld überschüssig haben, könnten Anleihen passen. Sie können dabei von sicher bis risikoreich (renditestark) eine zu Ihnen passende Strategie verfolgen.

Dabei sollte stets bedacht werden, dass Anleihen an Börsen gehandelt werden. Demnach unterliegen sie vielen Einflussfaktoren und es werden gewisse Gebühren in Rechnung gestellt.

Das Thema ist sehr komplex und Sie sollten sich gut beraten bzw. einlesen. Womöglich kommen Sie dann zu dem Schluss, dass ETFs und Sachwerte die besseren Anlageformen darstellen.